Der Februar 2026 nähert sich seinem Ende, und ab morgen bleiben die Temperaturen auf der angenehmeren Seite der Null. Unter den ersten kulinarischen Frühlingsboten waren früher leuchtend rote Radieschen. Damit hätte es noch Zeit, aber im Supermarkt ist die Zeit weitgehend aufgehoben.
Radieschen sind dekorativ, und so werden sie wohl auch meist verwendet. Als Farbtupfer in den Kartoffelsalat gehobelt, als Füllmittel für kahle Stellen auf der Häppchenplatte.
Ich bin spaßenshalber etliche internationale Kochbücher durchgegangen, um zu sehen, wie verschiedene Länder mit Radieschen bzw. Rettichen umgehen, dabei habe ich mich auf Salate beschränkt: Hier Auszüge aus meinen Ergebnissen (von denen ich noch nicht alle ausprobiert habe):
Südostasiatisch: Radieschen-Tomaten-Salat
2 geschnittene Tomaten, 1 Bund gehobelte Radieschen anmachen mit Weißwein-Essig, ein Hauch Zucker, Soja-Sauce und Pfeffer. Dekorieren mit frischem Koriander und einer frischen, gehackten Chilischote (ich habe die Schote weggelassen). War gut und erfrischend.
Allgemein asiatisch: Radieschen mit Knoblauch und Ingwer, dazu Radieschen hobeln und leicht salzen, 1 Zehe Knoblauch und ca. ½ cm Ingwer darüber reiben. Kleiner Schuss Sojasauce.
Japanisch angehauchte Radieschen mit Lachsrogen und Sojasauce: Meist gibt es nur 2 Sorten Kaviar: Lachs (rot) ab 5 € oder „deutsch“ (Seehasenrogen, schwarz gefärbt) zu zwo fuffzig.
Ergebnis: Radieschen in Sojasauce getränkt mit deutschem Kaviar ist zwar sehr salzig aber auch sehr lecker. Bei Lachs- oder Forellenkaviar würde ich zu bescheideneren Mengen Soja raten.
Türkischer Radieschensalat mit Salz, Zitrone und Petersilie. Nett, aber nicht super aufregend.
Ukrainisch: Radieschen mit saurer Sahne/Schmand, Dill, Frühlingszwiebel, Olivenöl, Salz, Cayenne und Paprika. Ich habe den Cayenne weggelassen, sehr lecker.
Marokkanisch: Dies muss sehr weit verbreitet sein, ich habe mindestens ein halbes Dutzend Variationen gefunden: mit Orangensaft und/oder Orangenstücken und/oder Orangenblütenwasser, Zitronensaft, Salz, Cayenne. Nicht immer alles auf einmal, eine Version verwendete auch etwas Zucker.
Ich nahm 1 Bund Radieschen, 1 große Orange, die ich schälte und in Stücke schnitt, hobelte und salzte die Radieschen, quetschte eine halbe Zitrone drüber. Von allen hier aufgeführten, ausprobierten Versionen die beste.
Jüdisch (Ashkenazi, also osteuropäisch):
Radieschen mit Olivenöl, milde Zwiebeln in hauchdünne Ringe geschnitten, Salz und Pfeffer. Bitte angemacht ziehen lassen, nicht so sehr wegen der Radieschen sondern wegen der Zwiebeln. Sepharden (jüdisch-mediterran) haben ähnliche Rezepte wie die Marokkaner.
Polnisch: es gibt die „saure Variante“, die der ukrainischen sehr ähnlich ist, und dann aber auch noch die süße (dieses Rezept ohne Gewähr, diejenigen, die es ausprobieren wollen, tragen allein die Verantwortung):
Ein gehobeltes Bund wird mit etwas Zitronensaft besprenkelt und dann leicht mit ½ – 1 TL Puderzucker bestäubt, anschließend mit 3 EL saurer Sahne vermischt. Soll gut zu Schweinefleisch passen.
Und last but not least: Bayrisch: meine Großmutter hobelte, salzte und bestreute den Radi mit Schnittlauch. Andererseits bestreute meine Großmutter alles mit Schnittlauch, vielleicht ist das ja gar nicht bayrisch sondern lediglich à la Berta….